Piment d’Espelette AOP ist weit mehr als ein mildes Chilipulver aus Frankreich. Hinter dem Namen steht eine geschützte Ursprungsbezeichnung aus dem französischen Baskenland, eine über Jahrhunderte entwickelte bäuerliche Kultur und eine Chili der Art Capsicum annuum, deren Saatgut, Anbau, Ernte, Reifung und Verarbeitung genau geregelt sind.
Kulinarisch ist Piment d’Espelette deshalb so interessant, weil nicht möglichst große Schärfe im Mittelpunkt steht. Das Pulver verbindet Chiliwärme mit fruchtigen, teilweise gerösteten und leicht süßlichen bis fein bitteren Noten. Die Schärfe entwickelt sich eher nach und nach und wird nicht als aggressiv brennend beschrieben.
Die Bezeichnung darf jedoch nicht einfach für jedes Chili aus dem Baskenland verwendet werden. Piment d’Espelette AOP ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Ein anderes Chilipulver kann aus derselben Region stammen und botanisch ebenfalls zu Capsicum annuum gehören, ohne deshalb Piment d’Espelette AOP zu sein.
Piment d’Espelette – Orlandosidee war selbst vor Ort
Für Orlandosidee ist Piment d’Espelette nicht nur ein Produktname aus einem Gewürzkatalog. Auf einer kulinarischen Reise durch Frankreich haben wir auch das französische Baskenland rund um Espelette besucht und uns vor Ort mit der Region und der Produktion dieses besonderen Chilis beschäftigt.

Wer durch die Gegend fährt, versteht schnell, warum der Chili dort weit mehr als nur ein Gewürz ist. Die Landschaft ist grün und hügelig, die Pyrenäen sind nah, vom Atlantik kommt feuchte Luft – und in Espelette selbst begegnet einem der rote Chili überall.
Schoten schmücken Häuser und Geschäfte, regionale Produzenten verkaufen Pulver, Chili-Schnüre und zahlreiche daraus hergestellte Spezialitäten. Piment findet sich dort beispielsweise in Salz, Senf, Wurstwaren und sogar in Schokolade.
Diese enge Verbindung zwischen Landschaft, Landwirtschaft, Küche und regionaler Identität ist ein wesentlicher Teil dessen, was Piment d’Espelette ausmacht.
Was ist Piment d’Espelette AOP genau?
Piment d’Espelette ist eine Chili-Spezialität aus dem französischen Baskenland. Die geschützte vollständige Bezeichnung lautet Piment d’Espelette beziehungsweise Piment d’Espelette – Ezpeletako Biperra.
Das Kürzel AOP steht für Appellation d’Origine Protégée, also geschützte Ursprungsbezeichnung.
Die AOP legt nicht nur fest, woher die Chili kommen muss. Auch wesentliche Teile des Anbaus, der Ernte, Verarbeitung und Kennzeichnung sind geregelt.
Piment d’Espelette kann innerhalb der AOP in drei Formen vorkommen:
- als frische ganze rote Chilifrucht,
- als traditionell aufgefädelte Chili-Schnur und
- als gemahlenes Piment-d’Espelette-Pulver.
Das Pulver ist die Form, die international am stärksten als Gewürz bekannt geworden ist.
Welche Pflanze ist Piment d’Espelette?
Botanisch gehört Piment d’Espelette zur Art Capsicum annuum L. aus der Familie der Nachtschattengewächse, der Solanaceae.

Die AOP basiert auf Saatgut der Sorte Gorria beziehungsweise auf einer lokalen Sorte, die dem in der Produktspezifikation genau beschriebenen Sortentyp entspricht.
Die Pflanze ist einjährig und krautig. Sie besitzt einfache, ovale Blätter und weiße Blüten, die einzeln in den Blattachseln erscheinen. Aus ihnen entwickeln sich die zunächst grünen Chilifrüchte.
Bei voller Reife werden die Früchte rot. Sie sind fleischig, hängen an der Pflanze und besitzen eine länglich-kegelförmige Gestalt. Für die traditionellen Chili-Schnüre müssen die Früchte unter anderem eine typische Form und Größe aufweisen.
Während der Vegetationszeit wächst die Pflanze kräftig. Im Sommer entwickeln sich fortlaufend Blüten und Früchte, sodass nicht sämtliche Schoten gleichzeitig reif werden. Das erklärt auch, warum die Ernte später in mehreren Durchgängen von Hand erfolgt.
Wie kam der Chili nach Espelette?
Die ältesten Wurzeln dieses Chililtyps werden von den offiziellen Erzeugerorganisationen mit Mexiko verbunden. Nach den europäischen Entdeckungsreisen verbreiteten sich Chili und Paprika aus Amerika in viele Teile der Welt.
Wie genau die Chili schließlich in die Gärten des französischen Baskenlands gelangte, lässt sich heute nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Sicher belegt sind jedoch bereits um 1650 Chili-Kulturen im Raum Espelette.
Besonders interessant ist die Rolle der baskischen Frauen. Sie bauten die Pflanzen in den Gärten der Höfe an und wählten Jahr für Jahr Saatgut von besonders geeigneten Pflanzen für die nächste Aussaat aus.
Damit wurde über Generationen ein lokal angepasster Pflanzentyp erhalten und weiterentwickelt – die Grundlage für die heutige Gorria-Linie.
Der Chili war damals auch wirtschaftlich interessant. Pfeffer war kostspielig, während sich Chili vor Ort anbauen ließ. Er wurde zum Würzen und auch bei der Verarbeitung beziehungsweise Konservierung von Fleisch und Schinken eingesetzt.
Historische Quellen berichten außerdem davon, dass Chili früher wegen zugeschriebener Eigenschaften auch in Hausapotheken verwendet wurde. Das ist Teil seiner Kulturgeschichte und keine heutige gesundheitliche Empfehlung.
Warum wächst Piment d’Espelette gerade im französischen Baskenland?
Die Pflanze stammt ursprünglich aus deutlich wärmeren Regionen. Im westlichen französischen Baskenland trifft sie jedoch auf ein ungewöhnlich passendes Zusammenspiel aus milden Temperaturen, reichlichen Niederschlägen, Atlantikeinfluss und dem Relief der Pyrenäenausläufer.
Die Landschaft besteht aus Hügeln und Höhenzügen zwischen Atlantikküste und Pyrenäen. Das Klima ist vergleichsweise mild und feucht. Genau diese Wärme in Verbindung mit ausreichender Feuchtigkeit unterstützt das kräftige Wachstum von Capsicum annuum.
Die AOP beschränkt den Anbau deshalb auf ein genau abgegrenztes Gebiet im Département Pyrénées-Atlantiques.
In welchen Orten darf Piment d’Espelette AOP angebaut werden?
Der Name führt leicht zu einem Missverständnis: Piment d’Espelette wächst nicht ausschließlich im Dorf Espelette.
Das zugelassene Gebiet umfasst Flächen innerhalb von zehn Gemeinden im französischen Baskenland:
- Espelette
- Ainhoa
- Cambo-les-Bains
- Halsou
- Itxassou
- Jatxou
- Larressore
- Saint-Pée-sur-Nivelle
- Souraïde
- Ustaritz
Souraïde und Larressore gehören vollständig zum definierten Gebiet; bei den anderen Gemeinden sind nur festgelegte Flächen einbezogen.
Selbst innerhalb dieser Gemeinden kann deshalb nicht automatisch jede beliebige Parzelle für die AOP-Produktion genutzt werden.
Vom Samen bis zum roten Chili – so wird Piment d’Espelette angebaut
Hinter einer Dose Piment d’Espelette steckt nahezu ein vollständiges landwirtschaftliches Jahr. Viele Arbeitsschritte sind bis heute eng mit Handarbeit und der Erfahrung der einzelnen Produzenten verbunden.
1. Saatgut auswählen
Bereits während der Ernte beginnt die nächste Saison. Die Produzenten wählen Pflanzen aus, die früh, kräftig und typisch gewachsen sind und charakteristische Früchte tragen.
Aus solchen Pflanzen wird Saatgut für die kommende Aussaat gewonnen. Diese bäuerliche Saatgutauswahl ist ein zentraler Bestandteil der Tradition rund um Gorria.
2. Aussaat im März
Im März werden die ausgewählten Samen ausgesät. Für die Keimung werden Temperaturen von ungefähr 20 bis 22 °C angestrebt.
Nach ungefähr zwei Wochen erscheinen die ersten Keimblätter.
3. Junge Pflanzen pikieren
Wenn sich nach den beiden Keimblättern das erste echte Blatt entwickelt, werden die jungen Pflanzen vorsichtig vereinzelt und in eigene Anzuchtbereiche umgesetzt.
Dort wachsen sie zunächst geschützt weiter, bis sie kräftig genug für das Feld sind.
4. Pflanzung ins Freiland
Sobald Wetter und Boden passen, beginnt die Pflanzung im Freiland. Viele Erzeuger pflanzen im Mai oder Juni; die AOP-Regeln erlauben die Pflanzung grundsätzlich innerhalb eines festgelegten Zeitraums zwischen April und Mitte Juli.
Die Pflanzen wachsen nicht dauerhaft geschützt unter einem Gewächshaus, sondern auf den zugelassenen Feldern.
Auch Pflanzabstände und Bestandsdichten sind geregelt. Zwischen den Pflanzen muss ausreichend Platz bleiben, damit sie sich entwickeln können.
5. Wachstum und Blüte
Mit steigenden Temperaturen und der Feuchtigkeit des baskischen Klimas wachsen die Pflanzen im Frühsommer schnell.
Im Sommer erscheinen fortlaufend weiße Blüten. Aus ihnen entwickeln sich zunächst grüne Früchte, die während der Reifung ihre charakteristische rote Farbe erhalten.

Wie wird Piment d’Espelette geerntet?
Geerntet wird erst, wenn die Früchte ihre rote Reife erreicht haben.
Da nicht alle Früchte gleichzeitig reifen, erfolgt die Ernte von Hand und in mehreren Durchgängen. Die Saison beginnt normalerweise im August und reicht bis in den Herbst beziehungsweise bis zu den ersten Frösten.
Die aktuellen Regeln erlauben die Ernte je nach Saison bis in den Dezember hinein.
Unmittelbar nach der Ernte werden die Schoten sortiert. Früchte für die unterschiedlichen AOP-Produktformen werden anschließend entsprechend weiterverarbeitet.

Warum werden die Chilischoten nach der Ernte noch gereift?
Für die Herstellung des Pulvers reicht es nicht aus, die rote Chili einfach sofort zu trocknen und zu mahlen.
Die ausgewählten Früchte durchlaufen zunächst eine Reife- und Trocknungsphase von mindestens 15 Tagen. Dabei liegen sie beispielsweise in einer einzigen Lage auf luftdurchlässigen Gittern oder werden traditionell aufgefädelt.
Während dieser Phase verlieren die Früchte langsam Wasser und ihr Aroma entwickelt sich weiter. Gerade hier entstehen beziehungsweise verstärken sich die charakteristischen fruchtigen und würzigen Noten.
Die berühmten roten Chili-Schnüre an den Fassaden baskischer Häuser sind deshalb nicht nur Dekoration. Sie erinnern an eine traditionelle Form der Reifung und Trocknung.
Wie entsteht Piment-d’Espelette-Pulver?
Nach der Reifephase werden die Stiele entfernt. Danach werden die Schoten weiter getrocknet, bis sie ausreichend trocken und spröde für die Vermahlung sind.
Traditionell nutzte man dafür unter anderem die Restwärme von Brotöfen. Heute erfolgt die abschließende Trocknung kontrolliert in geeigneten Trocknungsanlagen bei moderater Temperatur.
Anschließend werden die ganzen getrockneten Früchte vermahlen.
Für AOP-Pulver gelten konkrete Anforderungen: Die Mahlung muss so fein sein, dass die Partikel maximal 5 mm groß sind. Ganze Samen sollen in der fertigen Mahlung nicht verbleiben.
Farbstoffe, Konservierungsmittel und andere Zusätze dürfen dem reinen AOP-Pulver nicht zugesetzt werden.
Eine weitere interessante Regel: Ein einzelnes Pulverlos muss aus Chili derselben landwirtschaftlichen Erzeugung stammen.
Wie schmeckt Piment d’Espelette AOP?
Piment d’Espelette ist nicht deshalb besonders, weil es besonders scharf wäre. Seine Stärke liegt in der Verbindung von Aroma und sich langsam entwickelnder Schärfe.
Die offizielle sensorische Beschreibung des Pulvers nennt vor allem:
- fruchtige Aromen,
- geröstete beziehungsweise toastartige Noten,
- gelegentlich an Heu erinnernde Nuancen,
- eine mögliche leichte Süße,
- teilweise eine feine Bitternote und
- eine ausgeprägte, aber nicht aggressiv brennende Schärfe, die sich allmählich entwickelt.
Bei der langsamen Reifung werden insbesondere Aromen beschrieben, die an reife Tomaten und rote Paprika erinnern können.
Das erklärt, warum Piment d’Espelette in der Küche anders wirkt als ein Chilipulver, dessen Hauptaufgabe lediglich darin besteht, möglichst viel Capsaicin-Schärfe ins Gericht zu bringen.
Wie scharf ist Piment d’Espelette?
Die offizielle Erzeugerorganisation ordnet Piment d’Espelette mit 4 von 10 auf ihrer vereinfachten Scoville-Skala ein.
Es ist damit kein extrem scharfes Chili. Ganz ohne Schärfe ist es jedoch ebenfalls nicht.
Charakteristisch ist vielmehr, dass sich die Schärfe im Mund nach und nach entwickelt und länger anhalten kann, ohne als unmittelbar brennend beschrieben zu werden.
Die frühere einfache Beschreibung als „mild“ greift deshalb etwas zu kurz. Kulinarisch treffender ist: mäßig scharf, aromatisch und langsam wärmend.
Ist Piment d’Espelette geräuchert?
Nein – Piment d’Espelette AOP ist nicht mit einem geräucherten Paprikapulver wie Pimentón de la Vera gleichzusetzen.
In der offiziellen Sensorik können zwar geröstete oder toastartige Aromen auftreten. Diese sind Teil des typischen Aromaprofils und bedeuten nicht, dass die Chili über Rauch geräuchert werden muss.
Das ist ein wichtiger Unterschied, weil die Begriffe „rauchig“, „geröstet“ und „geräuchert“ bei Gewürzen häufig miteinander verwechselt werden.
Was bedeutet AOP bei Piment d’Espelette?
Die französischen Produzenten schlossen sich 1993 in einem Syndikat zusammen, um die traditionelle Chili-Erzeugung und ihren Namen zu schützen.
Im Jahr 2000 wurde Piment d’Espelette in Frankreich als Appellation d’Origine Contrôlée – AOC – anerkannt. Im Jahr 2002 wurde die Bezeichnung auf europäischer Ebene als geschützte Ursprungsbezeichnung eingetragen.
Heute ist Piment d’Espelette laut französischem INAO die einzige französische Gewürzspezialität mit AOP-Status.
Die AOP bedeutet unter anderem, dass wesentliche Schritte vom Anbau über die Verarbeitung bis zur Abfüllung im festgelegten geografischen Gebiet stattfinden und die Produzenten definierte Vorgaben erfüllen müssen.

Wie wird die Qualität von Piment d’Espelette AOP kontrolliert?
Die AOP besteht nicht nur aus einer Herkunftsangabe auf dem Etikett. Hinter ihr steht ein Kontrollsystem.
Die Produktion wird dokumentiert und rückverfolgbar geführt. Außerdem werden Pulverlose sensorisch geprüft.
Bei dieser Beurteilung spielen unter anderem Farbe, Duft, Aromaintensität, Typizität und die Qualität der Schärfe eine Rolle.
Erst wenn ein Produkt die Anforderungen erfüllt, darf es unter der geschützten Bezeichnung vermarktet werden.
Muss echtes Piment d’Espelette immer im Originalglas sein?
Nein. Dieser Satz aus unserer früheren Wissensseite muss korrigiert werden.
Piment d’Espelette AOP als Pulver darf nicht nur in hermetisch verschlossenen Gläsern angeboten werden. Die Produktspezifikation sieht auch bestimmte Beutelgrößen vor.
Entscheidend ist also nicht das Glas allein, sondern ob das Produkt tatsächlich den AOP-Vorgaben entspricht und ordnungsgemäß gekennzeichnet ist.
Bei AOP-Pulver gehören zur Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung unter anderem die vorgeschriebenen AOP- beziehungsweise Syndikatskennzeichen. Die Verpackung muss eine eindeutige Identifizierung ermöglichen.
Ein beliebiges Chilipulver wird deshalb nicht dadurch zu Piment d’Espelette, dass es aus der Region stammt oder ähnlich schmeckt.
Piment d’Espelette, Ezpeletako Biperra und Piment Baskenland – ist das dasselbe?
Nein. Hier lohnt sich eine genaue Trennung.
Piment d’Espelette und Piment d’Espelette – Ezpeletako Biperra sind die geschützten Bezeichnungen der AOP. Ezpeletako Biperra ist die baskische Bezeichnung, die auf entsprechenden AOP-Produkten ebenfalls erscheinen kann.
Piment Baskenland ist dagegen keine andere Übersetzung der geschützten AOP-Bezeichnung. Bei Orlandosidee bezeichnet der Name ein eigenständiges Chilipulver aus Capsicum annuum aus dem französischen Baskenland, das nicht als Piment d’Espelette AOP vermarktet wird.
Piment d’Espelette AOP oder Piment Baskenland – wo liegt der Unterschied?
| Merkmal | Piment d’Espelette AOP | Piment Baskenland bei Orlandosidee |
|---|---|---|
| Botanische Art | Capsicum annuum | Capsicum annuum |
| Saatgut / Typ | Gorria beziehungsweise zugelassener lokaler Sortentyp nach AOP-Spezifikation | keine Gorria-Angabe ohne entsprechenden Warenbeleg |
| Herkunft | genau definiertes AOP-Gebiet mit zehn Gemeinden | französisches Baskenland; konkrete Warenherkunft laut aktueller Produktdokumentation |
| Produktionsregeln | durch das AOP-Pflichtenheft geregelt | keine AOP-Produktion |
| AOP-Kennzeichnung | ja | nein |
| Geschützte Bezeichnung Piment d’Espelette | ja | nein |
| Kulinarischer Charakter | fruchtig, geröstete/Heu-Noten möglich, sich entwickelnde nicht aggressiv brennende Schärfe | fruchtig, warm und mild pikant entsprechend der konkreten Orlandosidee-Ware |
Für die Kaufentscheidung bedeutet das: Wer ausdrücklich ein AOP-zertifiziertes Piment d’Espelette benötigt, muss auf die entsprechende AOP-Kennzeichnung achten.
Piment Baskenland ist eine eigenständige Ware. Es eignet sich kulinarisch ebenfalls für Gerichte, bei denen eine fruchtige Chiliwürze gefragt ist, darf aber nicht mit dem geschützten AOP-Produkt gleichgesetzt werden.
Wofür verwendet man Piment d’Espelette in der Küche?
Im französischen Baskenland hat Piment d’Espelette eine ähnliche Grundfunktion wie andernorts Pfeffer: Es soll Gerichte würzen und beleben, ohne die eigentlichen Zutaten zu überdecken.
Zu den klassischen baskischen Anwendungen gehören beispielsweise Piperade und Axoa. Piperade verbindet Tomaten, Zwiebeln und Paprika beziehungsweise milde Chili; Axoa ist ein herzhaftes Fleischgericht, das traditionell ebenfalls mit Piment gewürzt wird.
Die aromatische, moderate Schärfe passt darüber hinaus besonders gut zu:
- Fisch und Meeresfrüchten,
- Eiern und Omeletts,
- Tomaten, Paprika und anderem Gemüse,
- Kartoffeln,
- Geflügel und Fleisch,
- Saucen und Marinaden,
- Käse,
- Suppen und Schmorgerichten sowie
- Schokolade, Früchten und ausgewählten Desserts.
Gerade die Kombination mit Schokolade zeigt, dass Piment d’Espelette nicht nur als „scharfes Gewürz“ verstanden werden sollte. Eine kleine Menge kann Wärme und Tiefe ergänzen, ohne dass ein Dessert scharf schmecken muss.
Wie verwendet man Piment d’Espelette richtig?
Piment d’Espelette sollte zunächst sparsam dosiert werden. Ziel ist meist nicht, ein Gericht möglichst scharf zu machen, sondern dessen Aromen mit einer langsam einsetzenden Chiliwärme zu ergänzen.
In Schmorgerichten, Saucen und Marinaden kann das Pulver mit den übrigen Zutaten verarbeitet werden.
Besonders interessant ist es außerdem als Finish. Eine kleine Prise über Fisch, Eier, Kartoffeln, Gemüse oder eine fertige Sauce lässt das charakteristische Aroma stärker wahrnehmbar bleiben.
Im französischen Baskenland findet man Piment traditionell auch als Würze am Tisch – ähnlich der Rolle, die Pfeffer in anderen Küchen übernimmt.
Das Piment-Fest in Espelette – wenn ein ganzes Dorf den Chili feiert
Wie wichtig der Chili für die Region ist, zeigt sich besonders im Oktober. In Espelette wird ihm jedes Jahr die Fête du Piment gewidmet.
Das Fest findet traditionell Ende Oktober statt und zieht zahlreiche Besucher nach Espelette. Der Ort wird dann zur Bühne für baskische Kultur, Musik, Gastronomie und natürlich den Chili der neuen Ernte.
Zum Programm gehören unter anderem ein gastronomischer und handwerklicher Markt, baskische Musik und Bandas sowie Veranstaltungen rund um den Piment.
Zu den traditionellen Höhepunkten zählt am Sonntag die Segnung der Chilischoten, gefolgt von einem Umzug der Bruderschaften und weiteren Zeremonien im Ort.
2026 findet das Piment-Fest am 24. und 25. Oktober statt.
Das Fest ist damit nicht nur eine Touristenveranstaltung. Es zeigt, welchen kulturellen und wirtschaftlichen Stellenwert Piment d’Espelette im französischen Baskenland besitzt.
Warum hängen in Espelette rote Chilischoten an den Häusern?
Die roten Chili-Schnüre gehören heute zu den bekanntesten Bildern von Espelette.
Ihr Ursprung ist jedoch praktisch: Früher wurden die Schoten nach der Ernte aufgefädelt und an den Fassaden beziehungsweise geschützten Bereichen der Bauernhäuser zum Reifen und Trocknen aufgehängt.
Die roten Fassadenketten wurden dadurch zu einem sichtbaren Symbol für die Chili-Kultur der Region.

Auch heute gehört die Chili-Schnur zu den Produktformen, die innerhalb der AOP vorgesehen sind.
Warum ist Piment d’Espelette für die Region wirtschaftlich so wichtig?
Der Chili ist eng mit kleinen landwirtschaftlichen Betrieben im französischen Baskenland verbunden.
Historisch bot der Verkauf insbesondere den Frauen auf den Höfen eine zusätzliche eigene Einnahmequelle. Auch heute ermöglicht die Produktion vielen kleineren Familienbetrieben ein spezialisiertes landwirtschaftliches Einkommen.
Rund um den Chili ist außerdem eine größere regionale Wertschöpfung entstanden: Direktvermarkter, Lebensmittelhersteller, Metzgereien, Restaurants und der Tourismus greifen die Spezialität auf.
Für die Kampagne 2025/2026 nennt das Erzeugersyndikat rund 180 Produzenten, 293 Hektar Anbaufläche und knapp 4,9 Millionen gepflanzte Pflanzen.
Woran erkennt man echtes Piment d’Espelette AOP?
Entscheidend ist nicht allein die rote Farbe, ein französischer Produktname oder das Wort „Espelette“ in einer Beschreibung.
Achten Sie auf die offizielle AOP-Kennzeichnung beziehungsweise das Zeichen der geschützten Piment-d’Espelette-Produktion.
Bei Pulver gehört außerdem eine nachvollziehbare Kennzeichnung zur Ware. Das INAO weist unter anderem darauf hin, dass auf den entsprechenden Behältnissen das Erntejahr gekennzeichnet wird.
Auch ein Beutel kann echtes Piment d’Espelette AOP enthalten. Die Verpackungsform allein entscheidet deshalb nicht darüber, ob es sich um ein AOP-Produkt handelt.
Häufige Fragen zu Piment d’Espelette AOP
Was ist Piment d’Espelette?
Piment d’Espelette ist eine geschützte Chili-Spezialität aus einem festgelegten Gebiet des französischen Baskenlands. Das Gewürz stammt von Capsicum annuum und kann als frische Chili, Chili-Schnur oder Pulver unter der AOP vermarktet werden.
Was bedeutet Piment d’Espelette auf Deutsch?
„Piment“ bedeutet im Französischen in diesem Zusammenhang Chili beziehungsweise scharfe Paprika. Der geschützte Name wird jedoch nicht übersetzt, sondern lautet Piment d’Espelette beziehungsweise Piment d’Espelette – Ezpeletako Biperra.
Was bedeutet Ezpeletako Biperra?
Ezpeletako Biperra ist die baskische Bezeichnung, die zusammen mit Piment d’Espelette Teil der geschützten Ursprungsbezeichnung ist.
Ist Piment d’Espelette sehr scharf?
Es gehört nicht zu den extrem scharfen Chilis. Die Erzeugerorganisation ordnet es bei 4 von 10 auf einer vereinfachten Scoville-Skala ein. Typisch ist eine sich allmählich entwickelnde, wärmende Schärfe.
Welche Sorte wird für Piment d’Espelette verwendet?
Die AOP verwendet Chili der Art Capsicum annuum aus Saatgut der Sorte Gorria beziehungsweise einem entsprechend definierten lokalen Sortentyp.
Ist jedes Chili aus Espelette automatisch Piment d’Espelette AOP?
Nein. Herkunft aus Espelette oder dem französischen Baskenland allein genügt nicht. Die Ware muss die Anforderungen der geschützten Ursprungsbezeichnung erfüllen.
Muss Piment d’Espelette AOP im Glas verkauft werden?
Nein. AOP-Pulver darf auch in zugelassenen Beutelgrößen abgefüllt werden. Maßgeblich sind die AOP-Vorgaben und die korrekte Kennzeichnung, nicht allein die Verpackung im Glas.
Ist Piment Baskenland dasselbe wie Piment d’Espelette?
Nein. Piment Baskenland ist bei Orlandosidee ein eigenständiges Chilipulver aus dem französischen Baskenland ohne AOP-Kennzeichnung. Es darf nicht mit Piment d’Espelette AOP gleichgesetzt werden.
Wann findet das Piment-Fest in Espelette statt?
Die Fête du Piment findet traditionell Ende Oktober statt. Für 2026 sind der 24. und 25. Oktober vorgesehen.




